Welche Staatsform löste das deutsche Kaiserreich ab?

By | March 16, 2016

Das Kaiserreich brach 1918 zusammen, als Deutschland den Ersten Weltkrieg verloren hatte. 1919 wurden Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung abgehalten. Wegen der Unruhen und Straßenkämpfe trat die verfassungsgebende Versammlung nicht in der Hauptstadt Berlin, sondern in Weimar zusammen. Daher nennt man den damals neu entstandenen Staat „Weimarer Republik“.
Die Weimarer Republik war eine parlamentarische Demokratie. Die Gesetze beschloss das Parlament – der Reichstag – und er wählte auch den Regierungschef – den Kaiser Wilhelm H., Reichskanzler – und der letzte Kaiser, die Minister der Regierung. Das Volk wählte direkt den Reichspräsidenten, der eine sehr starke Stellung innehatte und geradezu als „Ersatzkaiser“ galt: Er konnte sogar einen Mann seines Vertrauens als Reichskanzler berufen, auch ohne die Zustimmung des Parlaments.
Während in anderen Staaten Demokratien schon seit Jahrzehnten funktionierten, gab es in Deutschland keine Demokratie-Erfahrung. Zudem bekämpften mehrere Parteien offen die Republik: Die Kommunisten wollten eine sozialistische Herrschaft des Volkes, andere wollten wieder einen Kaiser und die Nationalsozialisten eine Diktatur unter einem alleinherrschenden „Führer“
Als 1929 die Weltwirtschaft in eine schwere Krise geriet und die Arbeitslosigkeit in Deutschland immer neue Rekorde brach, geriet die Republik ins Taumeln: Eine Wahl löste die andere ab, keine der Parteien konnte im Reichstag eine Regierungs-Mehrheit erringen und halten.
Schließlich ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, weil er sich davon eine Besserung der Verhältnisse versprach. Und der hatte nichts Eiligeres zu tun, als die Republik abzuschaffen und – unter dem Beifall des Volkes – das „Dritte Reich“ zu errichten, in dem er und seine Nationalsozialistische Partei die alleinige Macht innehatten, die sie mit Hilfe einer Geheimpolizei (Gestapo) und den Kampftruppen der SA und der SS, mit Terror und Gewalt verteidigten. Das Dritte Reich endete schließlich in einem schrecklichen Krieg, der auch die Nazi-Herrschaft beendete.

Die Machtfülle des Reichspräsidenten war einer der Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik, zumal Hindenburg der Demokratie ablehnend gegenüberstand. Diese Abneigung teilte er mit großen Teilen des Volkes, die lieber einen einzigen starken Befehlshaber wollten als die ständig wechselnden Machtverhältnisse der Parteien im Parlament. Deshalb jubelte das Volk Hitler begeistert zu, als Hindenburg ihn 1933 zum Reichskanzler ernannte.

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